24358 Reisende haben gelesen
Verfasst von: Artur Jakucewicz

| Öffnungszeiten |
Sonntag:
- ,
-
Montag:
- ,
-
Dienstag:
- ,
-
Mittwoch:
- ,
-
Donnerstag:
- ,
-
Freitag:
- ,
-
Samstag:
- ,
-
|
|---|---|
| Adresse | Via del Quirinal, 23 , Rome |
| Webseite | sancarlino.org |
San Carlo alle Quattro Fontane, auch San Carlino genannt, ist ein barockes Bauwerk an einer der belebtesten Kreuzungen Roms. Die von dem bedeutenden Architekten Francesco Borromini entworfene kleine, aber äußerst einfallsreiche Kirche ist für ihre geschwungene Fassade und ihren auf einem Oval basierenden Innenraum bekannt. Sie wurde zwischen 1638 und 1646 errichtet und zeigt, wie Borromini ein enges, unregelmäßiges Grundstück in eine elegante architektonische Komposition verwandelte, die auch Jahrhunderte später noch modern wirkt.
Lesen Sie auch über Borrominis Meisterwerke in Rom.
Contents
ToggleSan Carlo alle Quattro Fontane entstand im religiösen und städtebaulichen Umfeld Roms zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Der Orden der Unbeschuhten Trinitarier gab den Komplex für Gottesdienste und karitative Aufgaben in Auftrag. Die beengte Lage an einer Straßenecke prägte den gesamten Entwurf. Als Francesco Borromini das Projekt übernahm, machte er die schwierigen Grundstücksverhältnisse zum Ausgangspunkt seiner Architektur.
Statt die Einschränkungen zu verbergen, setzte er sie gestalterisch ein: mit präziser Geometrie, kontrollierten Kurven und Licht als Bestandteil der Architektur.

Der Bau begann 1638, und die Kirche wurde 1646 geweiht. Borromini ersetzte ein konventionelles Kirchenschiff durch einen auf einem Oval basierenden Innenraum, dessen Wirkung sich beim Gehen verändert. Die Wände wölben sich vor und ziehen sich zurück, Kapellen öffnen sich wie ausgeschnittene Nischen am Rand, und die Übergänge zwischen den Flächen wirken eher modelliert als zusammengesetzt. Darüber werden die Kassetten der Kuppel nach oben hin kleiner, lenken den Blick empor und lassen die Kirche höher und heller erscheinen, als ihre geringe Grundfläche vermuten lässt.
Die Arbeiten am Außenbau wurden später fortgesetzt. Borromini begann in den 1660er-Jahren mit der Fassade, starb jedoch 1667. Das obere Geschoss und die letzten skulpturalen Elemente wurden anschließend fertiggestellt und behielten seine charakteristische Formensprache aus konkaven und konvexen Bewegungen bei. Restaurierungen im Laufe der Jahrhunderte trugen dazu bei, die klaren Oberflächen und die feinen Lichtwirkungen zu erhalten, die den Innenraum prägen.
Die Fassade wirkt wie Architektur in Bewegung.

Sie ist in zwei Geschosse gegliedert und wird von einem durchgehenden, wellenförmigen Gebälk bestimmt. Borromini erzeugt Spannung durch Gegensätze: Die seitlichen Abschnitte ziehen sich nach innen (konkav), während die Mitte nach außen tritt (konvex). Säulen mit Kompositkapitellen gliedern die Komposition und verstärken dieses Wechselspiel. Nischen und Fenster greifen dieselben geschwungenen Formen in kleinerem Maßstab auf.
In der Mitte über dem Haupteingang zeigt eine große Nische den Heiligen, dem die Kirche gewidmet ist.

Der heilige Karl Borromäus steht betend zwischen skulptierten Engeln, die den Eindruck einer religiösen Vision verstärken. Auf beiden Seiten stehen lebensgroße Figuren des heiligen Johannes von Matha und des heiligen Felix von Valois, der Gründer des Trinitarierordens.

Gemeinsam verbindet dieses Bildprogramm die Widmung der Kirche an den heiligen Karl mit der Ordensgemeinschaft, die den Komplex errichten ließ und ihn bis heute nutzt.

Unterhalb der zentralen Nische befindet sich das Wappen des Trinitarierordens, ein Schild mit dem charakteristischen Kreuz des Ordens. An der Fassade wirkt es wie eine öffentliche Signatur und kennzeichnet die Institution hinter dem Bauwerk durch ein kompaktes heraldisches Zeichen.
Über die Fassade verläuft die lateinische Widmungsinschrift: IN HONOREM SS. TRINITATIS ET D. CAROLI MDCLXVII.

Übersetzt bedeutet sie: „Zu Ehren der Allerheiligsten Dreifaltigkeit und des heiligen Karl, 1667.“ Der Text nennt die doppelte Widmung der Kirche und datiert die Fassade in die Zeit, in der Borrominis Entwurf für den Außenbau verwirklicht wurde.
Der heilige Karl Borromäus (1538–1584) war Kardinal und Erzbischof von Mailand und eine führende Persönlichkeit der katholischen Reform. Er setzte die Reformen des Konzils von Trient um, stärkte die Ausbildung des Klerus durch Priesterseminare und organisierte während der Mailänder Pest von 1576–1577 Hilfsmaßnahmen. Sein Ruf für Disziplin, Seelsorge und öffentlichen Einsatz machte ihn zu einem passenden Patron für einen reformorientierten Orden im Rom des 17. Jahrhunderts.

Heute ist San Carlo alle Quattro Fontane weiterhin eine aktive Kirche und zugleich ein wichtiger Ort für Besucher, die sich für Architektur interessieren. Hier finden Gottesdienste statt, während Besucher die ungewöhnlichen Kurven, die präzise Geometrie und die Lichtwirkung in der Kuppel betrachten können. Aufgrund der geringen Größe lohnt es sich, langsam durch den Raum zu gehen. Schon eine kleine Veränderung des Standpunkts kann die Wahrnehmung vollständig verändern.
Die Bezeichnung „alle Quattro Fontane“ bedeutet „bei den vier Brunnen“.

Der Name stammt von der Kreuzung vor der Kirche, an deren vier Ecken Brunnen stehen und den Straßenraum markieren. Die Brunnen sind älter als Borrominis Kirche und wurden im Zuge der städtebaulichen Maßnahmen Roms im späten 16. Jahrhundert angelegt. Gemeinsam machten sie die Kreuzung zu einem leicht erkennbaren Orientierungspunkt, sodass die Kirche den Standort schließlich in ihren Namen übernahm.
Jeder Brunnen befindet sich in einer Ecknische und zeigt eine Figur, die mit einem Fluss oder einer klassischen Gottheit verbunden ist. Als Gruppe verbinden sie städtische Symbolik durch die Flussdarstellungen mit mythologischen Motiven der Göttinnen. Diese Mischung gehört zur Bildsprache Roms, in der selbst gewöhnliche Straßen mehrere Bedeutungsebenen tragen.
Dieser Eckbrunnen wird gewöhnlich als Personifikation des Tiber gedeutet: Ein kräftiger, bärtiger Flussgott lagert in einer Nische, die wie eine felsige Grotte gestaltet ist. Sein Oberkörper ist zur Straße gedreht, als wäre er gerade am Flussufer aufgetaucht.

Er hält ein mit Früchten gefülltes Füllhorn, ein klassisches Symbol für Überfluss und Fruchtbarkeit, das zur Bedeutung des Tiber als lebenswichtiger Wasserweg Roms passt. Neben ihm erscheint die Kapitolinische Wölfin mit Romulus und Remus, ein kleines, aber unverkennbares Motiv aus dem Gründungsmythos der Stadt. Die Figur lagert über einem halbkreisförmigen Travertinbecken. Der felsige Hintergrund und die Pflanzenreliefs dahinter verstärken den Eindruck einer natürlichen Uferlandschaft statt einer flachen Gebäudewand.
Der Überlieferung zufolge stellt dieses Eckrelief den Arno dar, wobei die Gestaltung deutlich auf die Toskana verweist.

Der Flussgott lagert in einer flachen Nische und hält ein Füllhorn, ein klassisches Attribut von Flussgöttern, das Fruchtbarkeit und Wohlstand an den Ufern symbolisiert. Auffällig ist der Löwenkopf neben ihm. Da der Arno eng mit Florenz verbunden ist, wird der Löwe häufig als bewusste Anspielung auf die florentinische Stadtsymbolik und deren charakteristischen Löwen verstanden. Zugleich steht er für Stärke und Schutz.
Am unteren Rand fließt Wasser aus einem gekippten Gefäß an der Hand der Figur. Dieses praktische Detail besitzt zugleich symbolische Bedeutung: Die „Quelle“ des Flusses wird sichtbar. Hinter der Figur sind hohe stilisierte Uferpflanzen mit Schilf und langstieligem Blattwerk eingemeißelt, sodass die Nische wie eine bewachsene Flusslandschaft und nicht wie eine flache Wand wirkt.
Die Steintafel über dem Relief dokumentiert ein späteres Kapitel der Geschichte des Brunnens. Dort steht „S.P.Q.R. FONTEM INSTAVRAVIT A.D. MDCCCLIX“, übersetzt: „Senat und Volk von Rom restaurierten den Brunnen im Jahr 1859.“ Was Sie heute sehen, ist damit nicht allein ein Straßenbrunnen der Spätrenaissance, sondern auch ein Denkmal, das die Stadtverwaltung im 19. Jahrhundert bewusst restaurierte und bewahrte.
Dieser Brunnen wird häufig als Darstellung der Diana gedeutet, wobei einige Beschreibungen die Figur auch als Allegorie der Treue interpretieren. Die eingemeißelten Details lassen beide Deutungen zu.

Die Göttin lagert in einer ruhigen klassischen Pose und stützt den Kopf auf ihre Hand, als würde sie aufmerksam wachen. Unter ihrem angewinkelten Arm schaut ein kleiner Hund hervor. Er ist ein charakteristisches Attribut Dianas als Göttin der Jagd und zugleich ein traditionelles Symbol der Treue. Daher stammt die alternative Deutung der Figur.
Die drei großen „Steine“ neben ihr sind kein zufälliges Felsmotiv.

Sie bilden einen stilisierten Dreiberg aus drei abgerundeten Hügeln, einen heraldischen Verweis auf Papst Sixtus V. Peretti, unter dessen Pontifikat die Quattro Fontane errichtet wurden. Die Skulptur verbindet damit eine mythologische Figur mit einer deutlichen päpstlichen Signatur: Diana beziehungsweise die Treue lehnt am Emblem des Papstes und verweist so auf die städtebaulichen Maßnahmen, durch die diese Kreuzung entstand.
Das Wasser tritt am Sockel aus dem gemeißelten Fels neben der ruhenden Figur aus und macht die Skulptur zu einer funktionierenden Brunnenquelle. Die zurückhaltende, stärker architektonisch als grottenartig gestaltete Umgebung passt zur ruhigen Haltung der Figur und zur Funktion des Brunnens als Bestandteil des alltäglichen Straßenraums.
Dieser Eckbrunnen wird gewöhnlich als Darstellung der Juno gedeutet, da er die Rolle der Göttin als Beschützerin Roms aufgreift.

Die Figur lagert in einer tiefen Nische, die als raue Grotte gestaltet ist. Über ihr hängen schwere, stalaktitenartige Felsformationen. Vor diesem groben Hintergrund treten der glatte, idealisierte Körper und die sorgfältig gearbeitete Draperie umso deutlicher hervor. In der linken Hand hält sie ein langes Zepter, ein eindeutiges Symbol für Herrschaft und Schutz. Rechts von ihr strömt das Wasser aus einem Löwenkopf, einem klassischen Symbol der Stärke, wodurch die Wasserführung selbst Teil des Bildprogramms wird.
Auf der linken Seite ist außerdem ein großer Wasservogel zu sehen, der häufig als Gans gedeutet wird.

Dieses Detail verweist auf eine der bekanntesten Legenden Roms: Die heiligen Gänse der Juno auf dem Kapitol sollen bei einem nächtlichen Angriff der Gallier, der traditionell auf 390 v. Chr. datiert wird, Alarm geschlagen und die Verteidiger rechtzeitig geweckt haben. In dieser Erzählung erscheint Juno als wachsame Beschützerin und wird mitunter mit dem Beinamen Juno Moneta („die Warnerin“) verbunden. Zepter, Löwenkopf und Gans ergeben zusammen ein geschlossenes Bildprogramm: Die Göttin steht für Wachsamkeit und den Schutz der Stadt.

Autor: Artur Jakucewicz
iese Website verwendet Cookies. Für weitere Informationen lesen Sie die Cookie-Richtlinie.
NachRom.reisen © 2026. Erstellt mit Liebe von Rom-Experten und Reiseführern.